ArchivarIn als Kinoerlebnis, das passt ja nun gar nicht zusammen werden viele sagen. Denn wie sieht denn die Wahrnehmung unseres Berufsstandes aus. Dunkle verstaubte Gestalten, die so langsam die Farbe ihrer Akten annehmen, huschen durch verlassene Kellergänge und führen ein Schattendasein, wie langweilig. Das dies nicht der Fall ist, davon kann sich jeder am Tag der Archive 2008 überzeugen. Aber zurück zum Thema. Tatsächlich ist die Hauptfigur in Terry Gilliams Spielfilm “Brazil” ein Archivar. Brazil entwirft das Bild einer düsteren und kafkaesken Gesellschaft und der bitterböse satirische Erzählton macht ihn zu einem zeitlosen Meisterwerk. So fiktiv, obschon durchaus realistisch, sich die entworfene Zukunftsprognose darstellt, Salman Rushdie sagte zu Brazil “ein großartiger Film über den zukünftigen Totalitarismus”, zeigt sich auch dem nicht Eingeweihten die Verantwortung und Problematik der täglichen Arbeit von ArchivarInnen. In Brazil ist es eine Fliege die über Leben und Tod entscheidet.
Anstelle des illegalen Heizungsingenieurs Archibald Tuttle (Robert DeNiro) wird durch Fehler in der Informationsübermittlung der unscheinbare Bürger Mr. Buttle verhaftet und zu Tode gefoltert. In der Gegenwart sind es digitale Daten, deren Authentizität und damit der rechtssichere Charakter dieser digitalen Unterlagen, der nach Abgabe an das zuständige Archiv erhalten bleiben muss. Die dauerhafte Archivierung von digitalen Daten stellt die Archive vor ganz neue Herausforderungen. Lassen sich heute entstandene elektronische Dokumente in 100 Jahren überhaupt noch öffnen und sind die Informationen noch lesbar? Denn schon im antiken Rom hieß es: Quod non in actis, non in mundo (Was nicht in den Akten ist, ist nicht in der Welt). Folglich betrifft dies auch elektronische Dokumente. Das Ablegen von Informationen auf CD oder DVD bedeutet noch lange nicht, dass die darauf enthaltenen Informationen für die nächsten Generationen als unverzichtbarer Wissensspeicher gesichert sind. Wer weiß denn wie lange die genannten Datenspeicher halten. Großzügig gerechnet 30- 50 Jahre, aber manch ein Datenträger hat schon nach 10 Jahren Probleme seine Informationen preiszugeben. Dies wiederum bedeutet Migration der Daten und somit die Angst vor Informationsverlust. Wie sieht es mit der Unveränderbarkeit der Informationen aus. Fragen Fragen Fragen. Dieser Problematik stellt sich NESTOR, das deutsche Kompetenznetzwerk zur digitalen Langzeitarchivierung. Und jetzt heißt es viel Spaß bei einem echten Höhepunkt der Filmgeschichte.